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Verhalen

Die Gruppen-App meiner Freundesgruppe schläft nie

Meine schwule Freundesgruppe hat eine Chat-Gruppe, die härter arbeitet als die meisten Menschen, die ich kenne. 247 Nachrichten vor dem Frühstück.

RainbowNews Redactie22. April 2026 — Niederlande3 Min. Lesezeit
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Es ist sieben Uhr morgens. Mein Telefon vibriert, als würde es einen Herzinfarkt bekommen.

247 Nachrichten. In der Gruppen-App. Vor dem Frühstück.

Die üblichen Verdächtigen

Meine schwule Freundesgruppe besteht aus sechs Mann. Und einer Gruppen-App, die nie schläft.

Wir heißen Brunch & Bitching. Vor zwei Jahren fanden wir das wahnsinnig lustig. Jetzt traut sich niemand mehr, den Namen zu ändern.

Mark schickt jeden Morgen ein Katzengif. Immer dieselbe Katze. Niemand weiß warum.

Thomas schickt Screenshots von Grindr-Gesprächen. Jeden Tag. Zur Bewertung.

Und dann ist da Bas. Bas schickt nur Sprachnachrichten. Drei Minuten lang. Über nichts.

Das Scrollen der Schande

Ich öffne die App. Ich scrolle nach oben. Und weiter nach oben. Und noch immer weiter.

Irgendwann um halb zwei nachts ist etwas passiert. Aber was?

Jemand hatte ein Date. Jemand anderes fand das eine dumme Idee. Eine dritte Person schickte ein Meme. Dann eskalierte es.

Jetzt steht da: "Ich bin mit IHM FERTIG."

Mit wem? Keine Ahnung. Ich traue mich nicht zu fragen. Dann müsste ich zugeben, dass ich geschlafen habe.

Die ungeschriebenen Regeln

Es gibt Regeln in so einer Gruppen-App. Sie stehen nirgendwo auf. Aber jeder kennt sie.

Regel eins: Auf ein Foto von Outfits reagierst du innerhalb von zehn Minuten. Sonst bist du ein schlechter Freund.

Regel zwei: Eine Liebeskummer-Nachricht bekommt mindestens drei Herzen, zwei Umarmungs-Emojis und ein "komm, wir gehen trinken".

Regel drei: Wenn jemand einen neuen Typen kennenlernt, willst du innerhalb einer Stunde sein Instagram. Und ein Urteil.

Das Urteil lautet meistens: "Hmm."

Dieses eine "Hmm" hat schon drei Beziehungen beendet.

Die Stille ist schlimmer

Manchmal ist es in der Gruppe still. Eine Stunde. Zwei Stunden.

Dann werde ich nervös. Stimmt etwas nicht? Haben sie eine neue Gruppe ohne mich? Reden sie über mich?

Ich überprüfe, ob mein Internet funktioniert. Ich starte mein Telefon neu.

Und dann plötzlich: "Leute, ich habe eine Outfit-Krise."

Erleichterung. Die Welt dreht sich wieder.

Das echte Leben

Letzte Woche haben wir uns im echten Leben getroffen. Bei einem Geburtstag.

Wir saßen eine halbe Stunde am Tisch. Niemand sagte etwas. Wir starrten alle auf unsere Telefone.

In der Gruppen-App. Aufeinander.

Mark schickte ein Katzengif. Thomas ein Screenshot. Bas eine Sprachnachricht.

Wir schauten auf. Wir sahen uns an. Wir mussten lachen.

Dann packten wir unsere Telefone wieder aus. Weil jemand ein Foto geschickt hatte. Vom Kuchen. Der vor uns stand.

Sechs Daumen hoch. Innerhalb von zehn Sekunden.

Vielleicht sind wir nicht gut in Stille. Aber im Reagieren sind wir Weltmeister.

RR

RainbowNews Redactie

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